Sloweniens West Loop – Ein Bikepacking-Abenteuer von den Alpen bis zur Adria
- Lonely Trails

- 30. Mai 2024
- 9 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 15. Okt. 2024

Mit dem Gravelbike durch Sloweniens West Loop – leichtes Setup, volle Kontrolle
Im Mai haben wir mit unseren Gravelbikes die Bikepacking-Tour “Slovenia’s West Loop” unternommen. Dabei habe ich mein Setup bewusst leicht gehalten, sodass meine komplette Ausrüstung nur 9,7 kg wog, um auf den Trails mehr Kontrolle zu haben. Die Wahl fiel auf 40 mm breite Reifen von Panaracer GravelKing – ideale Allrounder für Schotter und normale Straßen, auch wenn sie auf anspruchsvollen Trails weniger geeignet sind.

Route und Landschaften: Eine Reise durch Sloweniens Schönste Gebiete
536 km und 9.300 Höhenmeter – 'Sloweniens West Loop' ist eine anspruchsvolle Bikepacking-Route durch den Nordwesten Sloweniens. Inspiriert von Joe Cruz, habe ich die Strecke ein wenig angepasst, um ein ganz besonderes Erlebnis zu schaffen. Von der lebendigen Hauptstadt Ljubljana führt die Route durch die Julischen Alpen, vorbei am märchenhaften Bleder See, durch den wilden Triglav Nationalpark und entlang des türkisfarbenen Flusses Soča. Weiter geht es bis zur Adria-Küste nach Triest, bevor sie durch die malerischen Weinregionen zurück nach Ljubljana führt. Eine Strecke, die durch anspruchsvolle Trails, vielfältige Landschaften und interessante Orte geprägt ist – ein echtes Abenteuer für Naturliebhaber und Entdecker gleichermaßen.
1. Ljubljana – Das Herz Sloweniens

Ljubljana, die Hauptstadt Sloweniens, ist eine charmante und lebendige Stadt, die sich perfekt als Startpunkt für unsere Bikepacking-Tour eignet. Mit einer Bevölkerung von etwa 295.000 Menschen ist sie zwar überschaubar, aber dennoch reich an Geschichte und Kultur. Die Altstadt ist bekannt für ihre malerischen Brücken, darunter die ikonische Drachenbrücke und die Drei Brücken, die das Werk des berühmten Architekten Jože Plečnik sind. Im Hintergrund thront die imposante Burg von Ljubljana, die auf einem Hügel liegt und einen schönen Blick über die Stadt bietet. Ljubljana besticht durch ihre grüne Atmosphäre – kein Wunder, dass die Stadt 2016 den Titel „Grüne Hauptstadt Europas“ erhielt. Überall gibt es Parks, und der Fluss Ljubljanica, der sich durch die Stadt schlängelt, trägt zum entspannten Ambiente bei. Die vielen Studenten verleihen der Stadt zudem ein junges, lebendiges Gefühl, mit zahlreichen Cafés, Bars und Veranstaltungen, die das Stadtleben prägen. Trotz ihrer kulturellen Schätze ist Ljubljana klein genug, um leicht zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkundet zu werden – ideal für uns, um unsere Tour zu starten.
Nach einem ereignisreichen Tag haben wir auf dem Ljubljana Resort Hotel & Camp – knapp 6 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt – für eine Nacht unser Zelt aufgeschlagen, bevor wir am nächsten Morgen unsere Reise in Richtung des Nationalparks Triglav antraten.

2. Von Ljubljana zum Bleder See – Ein magischer Beginn
Unser erstes großes Etappenziel, der Bleder See, liegt rund 55 Kilometer nordwestlich von Ljubljana. Diese Naturattraktion ist ein wahres Juwel Sloweniens und lockt mit ihrer traumhaften Kulisse jährlich unzählige Besucher an. Der See, etwa 2,1 Kilometer lang und 1,4 Kilometer breit, ist bis zu 30 Meter tief und beeindruckt mit seinem kristallklaren, türkisblauen Wasser, das von umliegenden Gletschern gespeist wird. Umgeben von den Julischen Alpen und üppigen Wäldern, wirkt der Bleder See wie aus einem Märchenbuch entsprungen.

Ein besonderes Highlight ist die kleine Insel in der Mitte des Sees, auf der sich die Kirche Mariä Himmelfahrt mit ihrem charakteristischen Kirchturm erhebt. Die Geschichte dieser Insel reicht bis ins Mittelalter zurück und ist von Mythen und Traditionen geprägt. Einer alten Legende zufolge versank einst eine Glocke, die für die Kirche gegossen wurde, bei einem Sturm im See und liegt bis heute auf dem Grund. Diese sogenannte "versunkene Glocke" ist heute ein beliebtes Element der lokalen Folklore. Um das Unglück zu überwinden, wurde später eine neue Glocke gegossen. Seither ist es Tradition, dass frisch verheiratete Paare die 99 Stufen zur Kirche erklimmen und die Glocke im Kirchturm läuten, um sich Glück für ihre Ehe zu erbitten. Dieses Ritual soll nicht nur Segen bringen, sondern auch die Liebe und den Zusammenhalt des Paares stärken.
Die Bootsfahrt zur Insel ist eine der beliebtesten Aktivitäten am Bleder See. Traditionell werden die Besucher mit sogenannten 'Pletna'-Booten zur Insel gebracht. Die Fahrt dauert etwa 20 Minuten und bietet einen großartigen Blick auf die umliegende Landschaft. Die Kosten für eine Pletna-Bootsfahrt betragen pro Person 14 Euro für Erwachsene und 7 Euro für Kinder zwischen 4 und 12 Jahren (Stand 2024). Zudem gibt es auch einen Linienverkehr mit Booten, dessen Preise und Fahrzeiten auf der offiziellen Webseite von Bled zu finden sind.

Neben dieser beliebten Bootsfahrt gibt es zahlreiche weitere Möglichkeiten, die Natur hautnah zu erleben: eine Wanderung um den See, der Aufstieg zur Burg von Bled, um den Sonnenuntergang zu genießen, oder ein Spaziergang durch die umliegenden Wälder. Wer es etwas abenteuerlicher mag, kann in die nahegelegene Vintgar-Klamm wandern oder sich an warmen Tagen im klaren Wasser des Sees erfrischen. Für uns war der Bleder See ein Ort, der sowohl Ruhe als auch Abenteuer bot, vor allem, weil wir ihn außerhalb der Hochsaison erleben konnten.

3. Vom Bleder See zu den Bergen – Die Herausforderung Triglav ruft
Der Triglav Nationalpark, benannt nach dem höchsten Berg Sloweniens, dem Triglav (2.864 Meter), ist der einzige Nationalpark des Landes und erstreckt sich über eine Fläche von 880 Quadratkilometern. Als einer der ältesten Parks Europas wurde er 1924 erstmals als Schutzgebiet ausgewiesen. Die abwechslungsreiche Landschaft des Parks umfasst tiefe Täler, klare Gletscherseen und eine artenreiche Flora und Fauna – von Steinadlern und Gämsen bis hin zu wilden Alpenblumen.

Für Naturliebhaber bietet der Park ein breites Netz an Wander- und Radwegen, die von einfachen Routen bis zu anspruchsvollen Bergtouren reichen. Die Julischen Alpen, die sich durch den Park ziehen, beeindrucken mit ihren schroffen Felsformationen und weiten Ausblicken. Neben dem Triglav selbst ragen auch andere markante Gipfel wie die Škrlatica und der Mangart empor und bieten ambitionierten Bergsteigern spannende Herausforderungen.
Unsere Fahrt führte uns über den Vršič-Pass, den höchsten Gebirgspass Sloweniens, auf 1.611 Metern. Der Pass, ursprünglich als Militärstraße im Ersten Weltkrieg gebaut, ist heute eine der beliebtesten Routen für Radfahrer und Wanderer. Die insgesamt 50 Serpentinen, die teils mit Kopfsteinpflaster gepflastert sind, bieten spektakuläre Ausblicke auf die Berglandschaft und geben ein Gefühl für die raue, unberührte Natur des Parks.


Der Park ist zudem reich an kultureller Geschichte. Entlang der Wege laden traditionelle Almhütten dazu ein, lokale Produkte wie Käse und Honig zu probieren. Besonders der Bergblüten- und Waldhonig aus dem Triglav-Nationalpark spiegeln die Vielfalt und Reinheit der alpinen Flora wider, da sie aus dem Nektar verschiedener Bergblumen oder dem Honigtau der Bäume gewonnen werden.

Die Imkerei hat in Slowenien eine lange Tradition und profitiert von einer einzigartigen Besonderheit: Die heimische Krainer Biene (Apis mellifera carnica). Slowenien ist das einzige EU-Mitgliedsland, das diese Bienenart unter Schutz gestellt hat. Die Krainer Biene, heute die zweithäufigste Honigbiene weltweit, ist für ihre Fügsamkeit, ihren Fleiß, ihre Bescheidenheit und ihren hervorragenden Orientierungssinn bekannt. Die lokale Honigproduktion steht daher nicht nur für Qualität, sondern auch für nachhaltige Tradition.
Darüber hinaus ist der Triglav selbst ein nationales Symbol, das im slowenischen Wappen abgebildet ist und eine tiefe Bedeutung in der Kultur und Geschichte des Landes trägt.

Die kurvenreiche Straße bot spektakuläre Ausblicke und ein echtes Abenteuergefühl.

Der starke Regen zu Beginn der Fahrt machte die ersten Tage zu einer echten Herausforderung. Besonders die vielen Höhenmeter, die wir bei strömendem Regen überwinden mussten, forderten uns alles ab. Trotz dieser Umstände ließen wir uns nicht entmutigen und kämpften uns durch die nassen Straßen und steilen Anstiege.

4. Türkisfarbene Schönheit: Der Fluss Soča
Ein weiteres Highlight unserer Tour war die Soča. Die Soča, auch als Isonzo bekannt, entspringt in den Julischen Alpen, genauer gesagt in der Nähe des Ortes Trenta, und mündet nach einer Strecke von etwa 138 Kilometern in die Adria in Italien. Der Fluss ist berühmt für seine markante türkisfarbene Farbe, die manchmal weißlich schimmert. Diese Färbung wird durch den im Wasser gelösten Kalkstein und Mineralien verursacht, die das Sonnenlicht reflektieren.
An den Ufern der Soča verlaufen zahlreiche Wanderwege, die atemberaubende Ausblicke auf die umliegende Berglandschaft bieten. Der Fluss selbst ist ein Paradies für Outdoor-Fans. Mit seinen klaren, türkisfarbenen Stromschnellen bietet er ideale Bedingungen für Kajakfahren und Wildwasser-Rafting – Aktivitäten, die besonders Abenteurer anziehen. Zahlreiche Verleihstationen und geführte Touren stehen bereit, sodass sowohl Anfänger als auch erfahrene Paddler die Soča erkunden können. Darüber hinaus laden viele Badestellen entlang des Flusses zum Erfrischen und Entspannen ein.
Eine der malerischsten Städte an der Soča ist Kanal ob Soči. Diese kleine Stadt besticht durch ihre einzigartige Lage am Flussufer und die historische Kanalbrücke, die den türkisfarbenen Fluss überspannt. Die Brücke ist nicht nur ein architektonisches Highlight, sondern wird in den Sommermonaten zur Bühne für die Mutigsten – bei traditionellen Veranstaltungen wagen Teilnehmer Sprünge von der Brücke ins Wasser, was zahlreiche Besucher anzieht.
Wir haben in Kanal ob Soči eine Nacht am Campingplatz Camp Korada verbracht, wo wir unsere Zelte aufschlugen. Der Campingplatz bietet eine ruhige und naturverbundene Atmosphäre, direkt am Ufer der Soča gelegen. Es war die perfekte Gelegenheit, um eine Pause einzulegen und die wunderschöne Flusslandschaft zu genießen. Weitere Informationen zum Campingplatz findest du hier.
Eine weitere bemerkenswerte Stelle ist die Napoleonbrücke bei Kobarid. Ursprünglich während der napoleonischen Kriege erbaut, bietet sie heute einen malerischen Blick auf den Fluss und die umliegende Landschaft – ein perfekter Ort, um kurz innezuhalten und die Szenerie zu genießen.

5. Weiter nach Italien: Triest und die Adria
Von dort führte uns unsere Route allmählich auf den bekannten EuroVelo 8, der uns direkt nach Italien brachte. Unser Ziel war Triest, eine lebhafte Stadt an der Adria mit einer Mischung aus italienischer und österreichischer Kultur.

In Triest gibt es viele Sehenswürdigkeiten zu entdecken, darunter die Piazza Unità d'Italia, der größte Platz am Meer in Europa, mit beeindruckenden Gebäuden und einem herrlichen Blick auf die Adria. Die Burg von San Giusto thront über der Stadt und bietet nicht nur einen Einblick in die Geschichte Triests, sondern auch eine wunderschöne Aussicht. Die Kathedrale von San Giusto ist ebenfalls ein lohnender Besuch – sie ist ein bedeutendes Beispiel mittelalterlicher Architektur. Ein weiteres Highlight ist das Schloss Miramare, das nur eine kurze Fahrt von Triest entfernt liegt. Dieses weiße Schloss mit seiner prächtigen Parkanlage liegt direkt am Meer und war einst die Residenz von Erzherzog Ferdinand Maximilian von Österreich.
Nach dem Entdecken der bekanntesten Sehenswürdigkeiten lohnt sich ein Abstecher ins Caffè San Marco, ein traditionelles Café aus dem Jahr 1914. Mit seinem ausgezeichneten Kaffee, der literarischen Atmosphäre und dem stilvollen Ambiente gehört es zu den besonderen Orten der Stadt. Die Pistaziencroissants oder Brioche sind ein Muss für jeden Besucher. Wir verbrachten einen Tag in Triest, um die Stadt zu erkunden und uns für die Rückreise zu erholen.
6. Rückkehr nach Ljubljana: Abschluss einer schönen und herausfordernden Reise
Nach diesem kurzen Aufenthalt machten wir uns auf den Weg zurück nach Ljubljana, wo unsere Bikepacking-Tour ihr Ende fand. Dabei fuhren wir von Triest aus über den bekannten Giordano-Cottur-Radweg, eine malerische Route, die von Italien nach Slowenien führt. Dieser Radweg verläuft entlang einer alten Bahntrasse und besticht durch seine abwechslungsreiche Streckenführung: Er schlängelt sich durch Tunnels, über Brücken und durch grüne Landschaften, die einen faszinierenden Blick auf die umliegende Natur bieten.
Unterwegs machten wir einen Abstecher zur beeindruckenden Höhlenburg Predjama, einer mittelalterlichen Burg, die spektakulär in eine Höhle eingebettet ist. Die Burg hat eine faszinierende Geschichte und gilt als die größte Höhlenburg der Welt. Leider kamen wir erst am späten Abend an, als die Burg bereits geschlossen war, sodass wir sie nur von außen bewundern konnten. Mit regulären Öffnungszeiten von 10 bis 18 Uhr (je nach Saison variieren diese) wäre eine Besichtigung definitiv lohnenswert gewesen. Mehr Informationen findet man auf der offiziellen Webseite: www.postojnska-jama.eu.

Fazit
Slowenien beeindruckte uns mit seiner schönen Natur, anspruchsvollen Routen und freundlichen Menschen. Diese Tour war nicht nur ein physisches Abenteuer, sondern auch eine Reise voller beeindruckender Landschaften und besonderer Momente. Das abwechslungsreiche Terrain, von den türkisfarbenen Gewässern der Soča bis zu den imposanten Julischen Alpen, bot endlose inspirierende Ausblicke. Allerdings mussten wir feststellen, dass einige Abschnitte der Strecke für unser Setup etwas zu trailastig waren. Rückblickend hätten wir uns daher öfter für die offiziellen Fahrradwege entscheiden sollen. Dennoch brachte jeder Tag neue Herausforderungen und Belohnungen, was das gesamte Erlebnis unglaublich erfüllend machte. Sloweniens Kombination aus natürlicher Schönheit, kulturellem Reichtum und warmer Gastfreundschaft machte dieses Abenteuer zu einem Erlebnis, das wir immer in Erinnerung behalten werden.
Tipps für zukünftige Bikepacker
Wetterbedingungen beachten: In den Julischen Alpen kann das Wetter schnell umschlagen. Es ist daher ratsam, vor der Abfahrt die Wettervorhersage zu prüfen und auf Regen vorbereitet zu sein. Regenkleidung sollte auf jeden Fall mit dabei sein.
Gute Karten & GPS-Navigation: Die Trails können anspruchsvoll sein, und nicht alle Wege sind immer klar gekennzeichnet. Eine gute Offline-Karte oder GPS-Navigation (z. B. mit Apps wie Komoot) kann sehr hilfreich sein, um auf Kurs zu bleiben und alternative Strecken zu finden.
Bike-Setup anpassen: Da einige Abschnitte technisch anspruchsvoll sind, ist ein gut gewartetes Fahrrad mit zuverlässigen Bremsen und passender Übersetzung wichtig. Zudem empfiehlt es sich, das Gepäckgewicht gering zu halten, um mehr Kontrolle auf den Trails zu haben. Für diese Strecke eignen sich bikes mit mindestens 45 mm breiten Reifen, da diese sowohl auf den Trails als auch auf Straßen eine gute Performance bieten.
Verpflegung & Wasser: Die Dörfer und Städte entlang der Route bieten zwar Möglichkeiten, Vorräte aufzufüllen, aber es gibt auch längere Abschnitte ohne Versorgung. Ein kleiner Vorrat an Snacks und ausreichend Wasser sind daher empfehlenswert. Gerade bei den Aufstiegen und an heißen Tagen ist Hydration wichtig.
Campingplätze & Unterkünfte im Voraus planen: Besonders in den Sommermonaten kann es voll werden. Es kann hilfreich sein, sich im Voraus über Campingplätze und andere Unterkünfte entlang der Strecke zu informieren und ggf. Plätze zu reservieren.


































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